Panamerika
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[Wer nicht lesen mag, sondern gucken will, kann: Bilder und Videos zu diesem Eintrag] New York City hiess der ökologisch sinnvolle Auftakt meiner Reise, denn wer Südamerika anfliegt, kann auch gleich mit Nordamerika beginnen, oder? Für meinen Nostalgiebesuch in New York hätte ich mir jedenfalls keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Schliesslich durfte ich Augenzeuge von gleich zwei Freakshows werden (Halloween, Präsidentschaftswahlen). Des Weiteren flitzte unverhofft der New York Marathon an der Haustür meiner Gastwirtin vorbei und güldenes Herbstwetter badete die löchrigen Gehsteige von Williamsburg in warmes Licht. Keine Frage: New York City wählt erzdemokratisch. So war es mir während meines Aufenthalts leider nicht vergönnt, auch nur einen einzigen Anhänger McCains kennenzulernen. Den Wahlabend selbst durfte ich in einem grosszügigen Appartement mit Sicht aufs Empire State Building verbringen; das Interesse der Anwesenden galt allerdings nicht der Skyline, sondern CNN. Die Moderatoren fuchtelten an riesigen Touchscreens herum, um dem Publikum den ideologischen Röstigraben zu erklären. Eigentlich hätte man am liebsten zum Resultat vorgespult. Nervöse Zuversicht im Raum, dann die Verkündung. Und eine erste Rede des gewählten Präsidenten, die einen zu Tränen rührte – vermutlich habt ihr sie auch gesehen. Später im Freien wollten die Feiernden mit dem Jubeln und Umarmen gar nicht mehr aufhören und auch der Klöpfwein floss in Strömen durch die erleichterten Kehlen. Das heisst – nein, letzteres ist auf Amerikas Strassen ja nicht einmal anlässlich von historischen Wendepunkten gestattet. Wie dem auch sei. Wir haben ihn endlich: Den neuen Helden, welcher den Rassismus endgültig besiegen, den tobenden Antiamerikanismus lindern und diesen Planeten heilen wird (nicht). Wie so gut wie alle Europäer bin ich entzückt über diese Wahl, obgleich man sich in den USA leider bereits wieder Sorgen machen muss, der neue Chef werde bald erschossen wie seinerzeit JFK. Die restlichen paar Tage meines Aufenthalts galten dessen eigentlichem Grund: Die netten Menschen, die ich hier vor zwei Jahren kennenlernte, wiederzusehen und ebenso ein bisschen vom langvermissten hiesigen Nachtleben. Lässt sich beides ja bestens kombinieren. Zwar wird behauptet, New York erfinde sich pro Dekade mehrmals neu. Doch hat sich in den bald zwei Jahren seit meinem letzten Aufenthalt nichts dramatisch verändert. Die Schlangen vor den Brunchlokalen sind immer noch erstaunlich lang, die Mieten für ein fensterloses Zimmerlein in Brooklyn waren schon damals gefährlich nah an der $1000-Grenze und draussen skateboarden immer noch dieselben hornbrilligen Bartträger an den Schlaglöchern vorbei. Konklusion: Eine wirklich fabelhafte Art von Tourismus findet dann statt, wenn man sich an einem Ort schon auskennt und somit gar kein Anlass besteht, dessen jeden Winkel zu erkunden. Der Rest ist schnell zusammengefasst. Meine nächste Etappe war Los Angeles, ebenfalls aus dem einzigen Grund, eine alte Bekannte zu besuchen. Leider hatten wir organisatorische Missverständnisse und diese reiste zeitgleich zum Liebesurlaub in Hawaii ab – immerhin nicht ohne mir die Schlüssel für eine luxuriöse Wohnung slash Ausstellungsraum mitsamt Dachpool zu hinterlassen. Und da die Amerikaner ein herzliches Volk sind, liessen die Nachbarn mich bereits am Abend meiner Ankunft an ihrer Terrassenparty teilhaben. Bei den Anwesenden musste es sich natürlich um Musikproduzenten, sonstige Kreativindustrielle oder dann mindestens die Tochter eines Marinegenerals handeln. Pfff, Klischee. Zum Los Angeles, das wir alle aus dem Kino kennen, muss ich nichts erzählen. Weniger bekannt ist, dass man auch mit dem Velo recht gut in diesem urbanen Moloch herumkommt. Mein Ausgangspunkt war Downtown, ein bizarrer und wundersamer Ort, der einen mit seinen prächtigen alten Kinopalästen, den Finanztürmen und den Obdachlosen unweigerlich an ein Schwellenland mahnt. Und vor allem war LA im Vergleich zum hektischen NYC erfrischend menschenleer. Bald schliesslich ging es südwärts; nach Stopps in Puerto Rico und Lima erreichte ich endlich Buenos Aires. Aber mehr dazu vielleicht ein andermal. |